Landschaften
Das Land Brandenburg leidet unter einem Vorurteil, das nicht stimmt und erfreut
sich eines Kommentars von Theodor Fontane, der noch immer exakt zutrifft.
Falsch ist das Vorurteil, dass Brandenburg nur Kiefernwald und Sand bietet, Der
Beginn der heimlichen Hymne „Märkische Heide, märkischer Sand"
und der hier früher allgemein übliche Begriff „Heide" für
jede Art von Wald tragen vielleicht noch heute dazu bei. Doch die weiteren
Strophen des erwähnten Liedes berichten bereits von der Vielfalt der Natur
in dieser Region und beeindruckende Laubwaldgebiete wie die Schorfheide und ein
Waldgebiet mit dem Namen „Eichheide" beweisen, dass der Begriff
„Heide" hier anders zu verstehen ist als bei Lüneburg.
Und welcher Ausspruch Theodor Fontanes trifft noch heute zu?
„ Wer in die Mark reisen will muss sich mit einer feinen Art von Natur- und
Landschaftssinn ausgerüstet fühlen, wer einen Gletscher oder
Meeressturm verlangt, möge zu Hause bleiben. Wenige Punkte sind so arm. dass
sie nicht ihre 7 Schönheiten hätten, man muss sie nur zu finden
verstehen. Wag es getrost und du wirst es nicht bereuen".
Dieses bestätigen bis heute alle Gäste, die sich in die Landschaft
hinein begeben. Die mehr als 7 Schönheiten künden sich eben nicht so
spektakulär an wie ein Gebirge oder das Meer oder die großen
Flüsse Deutschlands mit ihren beeindruckenden Randgebieten.
Der stille Waldsee ist eben still und abgelegen, träumt in einsamer
Waldesruhe auch heute noch wie im Märchen, ist mitunter nicht einmal per
Fahrrad erreichbar, aber lädt im Sommer mit klarem Wasser zum Baden und
Träumen ein, kleine Flüsschen schlängeln sich fast
urwaldähnlich und naturbelassen durch verschwiegenen Auwald, der bis heute
wachsen kann wie er will, die Tier -und Pflanzenwelt ist unübertroffen in
Deutschland, denn Brandenburg hat die größten Naturschutzgebiete
Deutschlands, Seeadler vermehren sich, Kraniche, Störche, Milane sind keine
Seltenheit, Graureier und Kormorane sind mancherorts bereits zur Plage geworden.
Auch das vierbeinige Waldgetier fühlt sich wohl hierzulande und findet
Lebensraum. Das Landschaftsbild bietet mit den über 3000 Seen und
zusätzlichen, Flüssen, Bächen, Kanälen, Gräben, Teichen,
der Vielfalt aller in Deutschland vorkommenden Waldarten, Feldern, Weiden,
Wiesen, Obstplantagen, Parks und Gartenlandschaften eine Variationsreichtum
der in dieser Fülle nirgends übertroffen wird.
Der 66-Seen-Wanderweg bietet einen repräsentativen Querschnitt dieser
Landschaft, zeigt dem Wanderer die gesamte Vielfalt, die oben erwähnt ist
und übertreibt mit dem anspruchsvollen Titel keineswegs.
Weitab der Großstadt durchzieht der Wanderweg 8 Regionalparks, 3
Naturparks, mehrere Landschaftsschutzgebiete und dokumentiert mit weit mehr als
der genannten Anzahl von Seen und der beschriebenen Vielfalt von Fauna und Flora
unterwegs die Schönheiten Brandenburgs.
Die Route beginnt in der quirligen Landeshauptstadt, führt durch kleinere
Städtchen, die teils von ihrer langen Geschichte erzählen, sich teils
im modernen Gewand präsentieren. Dazwischen finden sich immer wieder ruhig
und verträumt daliegende kleine Dörfer, in denen die Zeit langsamer zu
vergehen scheint.
Bekannt sind die Schlösser und Parks in der einzigartigen Potsdamer
Kulturlandschaft. Verstreut über das ganze Land, finden sich aber auch an
anderen Orten teils mehr, teils weniger bekannte Kleinode der Bau- und
Gartenkunst.
Berggipfel hat die Mark nicht zu bieten, der höchste Punkt dieser Wanderung
ist lediglich 150 Meter hoch, doch weite Blicke ermöglicht manches Seeufer
und mancher Hügel, auch einige Aussichtspunkte entlang des Weges bieten
immer wieder eine erstaunlich weite Sicht in das Land - und ohne dass dabei
mühsam ein Berg erklommen werden muss.
Unabhängig von kommunalen Gebietsgrenzen und den
Einteilungen in Wanderetappen kann man auf der großen Runde um Berlin
die vier sehr verschiedenen Landschaftsformen erleben, die die
Charakteristik des gesamten Landes repräsentieren.